Briefe und Texte


Inspirierende Briefe und Texte






Wir können nicht wirklich leben, ohne das Bekannte zu verlassen.                              Februar 2022

Nur im Unbekannten sind wir lebendig – ist wirkliches Leben.


So wie bei der Wanderung heute.

 

Der Einfall kam spontan. Einfach vom gewohnten, üblichen Weg abzuweichen, etwas Neues zu probieren. Nicht genau zu wissen wo es hinführt, nur dem Impuls zu folgen im Nichtwissen.

Der Weg ist neu und unbekannt, keine Beschilderung – nur vage Spuren im Schnee und eine innere Anziehung dort zu gehen – ohne Wissen, ohne Plan, ohne Kenntnis.

Der Weg ist zum Teil steil. Ich folge den Spuren im Schnee. Erst geht es zügig voran, dann breche ich ein, es wird anstrengender, schwieriger, fordernder, stecke kurz fest mit beiden Beinen.
Doch weiter Schritt für Schritt. Das Gelände verändert sich. Soll ich umkehren? Nein, es gibt nur vorwärts – langsam, bewusst, Pausen, Freude im Gehen, Freude in der Anstrengung, die nicht wirklich als Anstrengung spürbar ist – wunderschön.

Die letzten Meter vor dem Ziel – dauerndes Einbrechen. Kann ich denselben Weg wieder zurückgehen? Nein – unmöglich. Warten, Ruhe, Vertrauen, Alleinsein.

Und plötzlich zeigt sich ein neuer Weg zum Abstieg auf der anderen Seite des Berges. Im Abstieg - kurzes Abbiegen in die falsche Richtung. Dem falschen Pfeiler gefolgt, doch ich merke, dass etwas nicht stimmt – zurück an den Ausgangspunkt und nochmals in Ruhe schauen. Und jetzt sehe ich, was ich vorher übersehen habe und ein neuer Weg öffnet sich.

 

Hingabe und Demut, Dankbarkeit für dieses Erlebnis und Freude am Lebendig sein.

                                                                                                                                                                   Elisabeth G.

 


 



Einladung in die Stille


In meinem Tuschemalkurs beschäftigen wir uns seit einigen Wochen mit dem Thema Stille.
Wir haben unsere Bilder übermalt mit Weiß, ähnlich den Nebellandschaften des Ostens. Ich finde es gerade sehr anziehend, nicht expressiv zu malen, sondern langsam. In Ruhe und auch in der Stille.

Und Motive zu finden, die das ausdrücken. Es war auch stimmig, sehr hell zu malen, da sich die Stille so hell und transparent anfühlte für mich bisher.

Ich interessiere mich immer wieder für die Bilder des Malers Pierre Soulages. In den letzten Jahrzehnten malte er ausschließlich schwarze Bilder mit einem speziellen Schwarz und mit Relief, das Lichtspuren erzeugt.


Das war glaube ich der Auslöser, mich mit Schwarz zu beschäftigen. Ich habe mit der Tusche schwarze Felder gemalt, die für mich ein Hinweis sind auf das geheimnisvolle Dunkel, die Quelle. In der Meditation mit Rupert war dann dieses Schwarz so präsent und ich spürte eine tiefe Stille, ganz anders als bisher, schwarz, völliger Stillstand, bilderlos, enorm entspannend für das Gehirn. Keine Angst.
Am Wochenende haben wir dann Farbe dazu genommen, schwarze fließende Formen, weiße Flächen vom Papier und mit Entschiedenheit eine Farbe dazu. Reduziert auf ganz wenig. Das sind wunderbare Experimente, sich auf das Unbekannte einzulassen, zu schauen, wo zuviel wollen ist, ganz bei sich zu bleibe
n.

                                                                                                                                                                Ingrid E.



 


Akzeptanz                                                                                                                              Januar 2022


Ich wache mitten in der Nacht auf, merke wie mein Herz ungleichmäßig  schlägt. Fühle meinen Puls: rasend schnell und unregelmäßig.


Nein, nicht!! Meine Gedanken überschlagen sich. Was soll ich tun? Bloß kein Krankenhaus!
Wie lange hält das Herz sowas aus? Vielleicht geht’s gleich vorüber! Entspann dich!
Angstgedanken wechseln mit Hoffnungsgedanken. Ich spüre, wie meine innere Anspannung wächst.
Bin verzweifelt, weil sich nichts bessert. Abwarten, hoffen, der Puls bleibt. Zeit vergeht.
Ab und zu entsteht ein Abstand zu meinen Gedanken. Dann füttern sie wieder die Hoffnung, die Angst.
Ich will, dass es endlich aufhört. Immer wieder Wollen, weg haben wollen, besser haben wollen, nicht so wollen, leichter haben wollen, auf jeden Fall nicht so haben wollen! Dieses Chaos in mir…


Ich kann nur bleiben, mitten im Durcheinander meiner Gedanken und Gefühle.
Nur dableiben, hierbleiben, immer nur hierbleiben.


Irgendwann gibt etwas nach in mir, scheint aufzugeben. Ich fühle nur noch absolute Hilflosigkeit.
Ich kann nichts tun! Tränen fließen. Fühlbar  löst sich die Anspannung in mir.


Dankbarkeit für die Hand, die meine Hand hält. Eine Tür öffnet sich – nicht ich öffne die Tür – es geschieht. Die Zeitmaschine scheint anzuhalten, es ist als würde alles gleichzeitig geschehen.  Es wird stiller, die Gedankenflut gehört mir nicht mehr, tritt zurück. Der schnelle unregelmäßige Puls ist da, Schwäche, Müdigkeit sind da.
Kein Kampf mehr dagegen.  Auch Bereitschaft ins Krankenhaus zu gehen. Als wäre damit der letzte Widerstand aufgegeben, schlägt das Herz  plötzlich in seinem normalen Rhythmus weiter.   

                                                                                                                            Ulrike K.



                                                                                                                                       



Stille                                                                                                                                       November 2021

 

 

                                                                    … ein Wort

 

 

… ein Wort, das eine Schwingung zutage bringt, die von keinem Namen erfasst werden kann.

 

 

Ich bin gewahr …..      und ein Raum tut sich auf

                                         ein Raum, der das eben noch Sichere, scheinbar Wichtige

                                         wie leere Hüllen hinter sich lässt.

 

                                         Der Raum ist wirklich still  -

                                         auch wenn er Lärm, die ganze Welt, ja – Kriege in sich erscheinen lässt

                                         rührt das nicht an seiner Natur.

 

                                         Ich bin gewahr und erfahre, dass ich darin nicht dieser Körper bin -

                                         die Suche nach Grenzen ist vergeblich

                                         es gibt nichts Festes und nichts was fehlen würde -

                                         kein Mangel erscheint.

 

                                         Unbeschreibliches Sein des Seins

                                         in der Fülle der Leere

 

                                         die darin eingebettete Welt ist leer

                                         wahrnehmbar in mir selbst

                                         einfach nur offen

 

                                         …. im ewigen Zuhause.

                                                                                                Petra K.

                                

 

 

                                                                           



Stille                                                                                                                                 


Ich betrete eine kleine Kapelle. Sofort umfängt mich eine äußere Ruhe.
Diese Ruhe scheint unausweichlich, als würde nichts mehr von draußen hier eindringen können, kein Lärm,
keine Bilder, die mich vorher beschäftigt haben.
Es ist als würde die stille Energie des Raumes mein Inneres berühren und erinnern,
so dass die Stille sich auch in mir ausbreiten kann.
Einatmen, ausatmen, hier sein. Bis es kein „in mir“ und kein „da draußen“ mehr gibt.
Die Stille übernimmt mich. Sie fühlt sich nicht schläfrig an sondern ist waches, klares, entspanntes da sein.
Glück und Freude sind da. Dankbarkeit mit allem.

Das hat mich tief berührt, hat mich erinnert, dass Stille mein Zuhause, meine Heimat ist.
Und von der ich mich immer wieder abwende. Dann verliere ich mich in meiner Gedankenwelt,
vergesse, dass die Stille immer da ist. Ich folge den alten Spuren in mir, fordere, zetere, weise zurück, trenne mich ab und bin unglücklich.  

Und die Stille ruft mich immer und immer wieder durch ein inneres Wissen, ein Erinnern
und die Sehnsucht in mir, nach Hause zu kommen.   

 

Was bleibt, wenn die Gedanken schweigen

Vorüberziehen ohne festgehalten

Wer bin ich ohne sie

Ohne gestern ohne morgen

Ohne müssen, dürfen, wollen

Ein Blatt? Ein Windhauch nur?

Über mich hinaus

Versinkend

Namenlos im Namenlosen.

                                                            Ulrike K.



                                                                     


                                                                                                                                                                        August 2021     

Nähe                                                                                                                                                               

                                                                                                                                                                 

Ich weiß aus Erfahrung sehr gut, dass die Nähe zu dir all meine Vorstellungen und Ideen darüber

wie etwas ist, wie es sein könnte oder müsste - dass diese Nähe alle Vorstellungen
überflüssig werden lässt und verbrennt.

Ich kenne das grundlegende, natürliche Gefühl des Eins-Seins mit dir, - mit Allem ….
und obwohl ich mich in der Vergangenheit immer wieder entschieden habe, dem Bequemen zu folgen
wird der Wunsch in mir immer stärker, mit dir wieder bewusst eins zu sein.

Ich fühle deine gleichermaßen magische wie natürliche Anziehung und die damit verbundene
Auflösung im Einen – in dir.

Wie nah darf ich dir kommen?
Alles in mir verzehrt sich nach dieser Rückkehr der bleibenden Berührung und Vereinigung mit der reinen, grenzenlosen, wahrnehmenden Einheit, deren Quelle du bist.
Meine Sehnsucht nach der immerwährenden Entdeckung dessen, was ich wirklich bin, hört nicht auf zu brennen.

Das dazu notwendige Entdecken aller immer wieder auftauchenden Identifikationen die sich in den Weg
stellen und die diesen Rückkehr-Prozess lebendig werden lassen, ist für mich die Achse,
um die sich alles dreht -

ohne dich wäre ich in diesem Prozess aufgeschmissen, einfach zu stumpf und immer wieder zu träge.
Du, die alles erzeugende, alles begleitende und alles verzehrende Liebe - du bist das, was alles trägt und durchdringt. Du bist das Ziel meiner Ausrichtung und je näher du vordringen darfst, mich schlägst, zertrümmerst und liebkost umso größer ist mein Glück.

Nimm mir jede Grenze und lasse mich vollständig verloren gehen im Glück der bewussten Heimkehr.

In immer stärker werdender Liebe zu dir danke ich dir für die Geduld und Gnade, die ich bin.

                                                                                                                                                                                  Rupert E.



                                                                       



Wo bleibst du - in der Erkenntnis, dass alles von selbst geschieht?

  

Zu erkennen, dass alles von selbst geschieht, lässt den vermeintlichen Akteur überhaupt erst mal fühlbar werden.

Es wird sichtbar, dass sich da jemand eben noch im Bühnenlicht bewegt hat und mit dieser Erkenntnis – dass alles von selbst geschieht – direkt klar wird, dass dieser Jemand sich einfach nur ‘davor’ geschoben hat, dass also eine natürliche, selbstverständliche Bewegung von diesem Akteur überlagert wird.

 

Beim Verweilen in dieser Klarheit wird schnell erkennbar, in welchem wirklich unglaublichen Ausmaß diese Überlagerung des natürlichen Geschehens stattfindet.

Mit beharrlicher, offener Zuwendung dringt durch diesen dicht gewebten Mantel immer mehr Licht, bringt die unwirkliche Szenerie zum Vorschein und lässt die eben noch scheinbar herrschende  Illusion sich mehr und mehr auflösen.

 

Diese substanzlose,  sich jetzt auflösende Illusion hieß bis gerade eben ‘ich’.

Dieses illusorische ‘ich’ ist das: ‘Wo bleibst du ?‘ in der Ausgangsfrage und … bleiben tut es nirgends. Es hat schlicht keine wirkliche Substanz, es ist eine Idee, aber nicht das was es vorgibt zu sein.

Es hat mit dem was ich wirklich bin nichts zu tun, es erscheint wie jeder andere Gedanke, wie jedes andere Ding auch. Gedanken, Ideen, Konzepte sind alles Objekte, die sich im grenzenlosen Bewusstsein zeigen und wieder vergehen.

 

In der Frische des Moments existiert kein Gestern oder Morgen. Aus diesem Gewahrsein geschieht alles von selbst und 
                               ist alles gut.

                                                             Rupert E.

 

 

                                                                                                                                                   



Was ist real?


Sinken, in mich hinein. Müheloses, anstrengungsloses Fallenlassen.
Fühlen, was mein Körper festhält.

Spannungen, Schmerz, Anstrengung.
Beobachten, Veränderung zulassend.
Wahrnehmen, die Körperlichkeit überschreitend, den sich öffnenden Raum.

Weite, befreiende Weite, grenzenlose Ausdehnung.
Gedanken tauchen auf, mitgenommene Eindrücke,
Bilder, Gefühle ziehen mich zurück in die Geschichte meines Lebens,
weg aus dem Jetzt, ins Gewesene,
weg aus dem Jetzt, in ein vorgestelltes Morgen.


Ich folge den Vorstellungen, spiele damit, baue sie aus,
genieße die Bühne.
Ich spüre aber die Enge, die Beschränktheit,
erkenne und lasse sie los,
werde wie hineinkatapultiert in die unbegrenzte Weite des Jetzt,
absolute Offenheit, kein Richtig oder Falsch, Gut oder Böse,
urteilslos, wissenslos.
Nur Staunen.
Reine Präsenz
Reines Sein

Und das fühlt sich bedingungslos real an.
...... und mein Herz füllt sich mit Freude.


 


                                                           



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